Einfach so verschiedene Dinge

Zwei Tage waren nötig, den Kater zu vertreiben. Das ging auch schon mal schneller.
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Zum Einschlafen den ZDF-Dokukanal (oder war´s Phoenix?) gesehen, eine Sendung über die himmelschreiende Ungerechtigkeit der Unterdrückung des Gedenkens an „Flocht ond Värrtreibong“ in der Ostzone. O-Ton sinngemäß „40 Jahre danach wusste kein DDR-Schulkind mehr etwas mit den Begriffen Flucht und Vertreibung anzufangen“. Recht so.
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I didn´t go to the Gelöbnix-Demo today, and I don´t think I´ll go next year. Prinzipiell eine gute Sache, aber dieser ALB-Textbaustein-Aufruf ist zum Haareraufen.
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Nächste Woche wird umgezogen, der neue Kiez hat weniger Hundescheiße und Zottelnachbarn, dafür einen Spätkauf im Haus, ein Bestattungsinstitut direkt gegenüber (man weiß ja nie) und besoffene Touristengruppen in Balkonspuckweite.
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Die taz startet mal wieder eine Abokampagne, ganz uneigennützig als Protest gegen schwarz-gelb verkleidet. Saudämliche Buttons inklusive: buttons
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Wegen der Anschläge in London wurde der Film Paradise Now vom Spielplan eines englischen Filmfestivals gestrichen. Zur ästhetischen Rehabilitierung des Selbstmordattentats bei Paradise Now gibt es von typoskript eine umfangreiche Textsammlung. In Deutschland startet der Film Mitte September. Man hört etwas von geplanten Protesten munkeln. via
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Ich trage mich seit dem Gerichtsurteil zugunsten der Jungen Freiheit mit dem Gedanken, dass es eigentlich ganz cool wäre ein JF-Watchblog nach Vorbild des Bildblogs aufzumachen. Schwerpunkt weniger faktisch falsche Berichterstattung wie beim Vorbild, sondern Aufdecken personeller und logistischer Überschneidungen mit dem neonazistischen Spektrum und inhaltliche Kritik. Gute, PR-trächtige Idee, aber zu viel Arbeit für mich alleine. Vielleicht haben ja ein paar Recherche-Antifas Interesse die Idee aufzugreifen.

In the news

Was haben der österreichische Einzelhandel, deutsche Arbeitslose und der Hamburger Flurförderzeughersteller Still gemeinsam? Sie alle hoffen auf bessere Zeiten. Keine Angst, wenn ich meine Hausarbeit geschrieben und meinen Umzug geschafft, den Türkischkurs hinter mir und die nächste anstehende Politkampagne abgewickelt habe, nehme ich mich Eurer Probleme an. Harrt aus, Rettung naht!

Ratzfatz

Eigentlich unterschreibe ich prinzipiell keine Unterschriftensammlungen für oder gegen etwas, aber bei dieser speziellen Angelegenheit konnte ich einfach nicht anders. An einem Nachbarinstitut meines Fachbereichs, nämlich der Katholischen Theologie, soll einem gewählten Dekan sein Lehrauftrag entzogen werden, weil er vor einer Weile entschieden hat, dass das mit dem Zölibat so ganz persönlich irgendwie doch nicht hin haut. Das hat der Kirche nicht gefallen und im Zuge der Bereinigung der katholischen Institutionen von Abweichlern (memento Ratzi) soll er jetzt geschaßt werden. Die Theologiestudenten (eine ganz besondere Spezies) wehren sich – nicht ganz uneigennützig, einige wollen schließlich bei ihm promovieren. Mit diesen zukünftigen Pfaffen hab ich zwar nix am Hut – aber viele kleine Nadelstiche gegen meine Ex-Konfession, das gefiel mir einen Moment lang ganz gut … und schon stand mein Kürzel auf dem Papier.

… und wenn es doch was bringt?

Es gibt ja nun nichts zu verlieren … und wenn es doch was bringt? In einer Grußbotschaft an die WASG zu ihrem Kongress bezog sich die stellvertretende PDS-Vorsitzende Katja Kippling auf den Brief und meinte die Linkspartei solle ihn sich zu Herzen nehmen …. einige WASGler haben selbst unterschrieben und auch auf einigen Parteiwebseiten ist er schon drauf und wird diskutiert …. also scheint er ja doch etwas bewegt zu haben! Wenn mehr unterschreiben wird der Brief zum PDS-Kongres am kommenden Wochenende noch einiges an Wirkung entfalten

Meint „Micha“ zum Offenen Brief von FelS und ALB an die PDS/WASG auf indymedia.

Komm mach Du auch mit! Wir halten uns alle an den Händen und drücken ganz fest die Augen zu und wünschen uns, dass eine Partei die in Zeiten der Krise Staat machen will ihre lästigen, schlicht unerwünschten potentiellen Staatsbürger so irgendwie lieb mit offenen Armen empfängt. No nation – no border! Katja nimm uns an die Hand – führ´ uns ins Antira-Wunderland!

PoMo shit fucked my brain up

Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit. Ich mutiere zum langweiligen Studenten.

Die ganzen feministischen Poststrukturalistinnen bzw. poststrukturalistisch-feministischen Ethnologinnen (wer weiß das schon so genau?) schwafeln daher und mein wanna-be-Materialismus kapituliert langsam vorm akademischen Wortwulst. Man merkt´s zuerst an der Sprache. Zeit für mehr Sex, Marx and Rock´n´ Roll. Bald wird alles besser. Für zwei ganze Monate. Zunächst noch dies:

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Women’s Orients

Melman, Billie: Women’s Orients. English Women and the Middle East, 1718-1918. London 1992.

Abstract

Billie Melman untersucht Literatur englischer Frauen über den Orient im Zeitraum seiner kolonialen Erschließung. Dabei legt sie besonderes Augenmerk auf die genderspezifische Wahrnehmung des Orients in mehrerer Hinsicht: Wie haben englische Frauen als solche den Orient erfahren? Wie wurden die Differenzen zum europäischen Geschlechterverhältnis wahrgenommen? Gelang es europäischen Frauen im Kontakt mit orientalischen Frauen eine originäre Sichtweise des „kulturell Anderen“ zu entwickeln oder ordneten sich ihre Wahrnehmungen in den herrschenden westlichen Diskurs ein?

Die Autorin argumentiert auf der Grundlage der von Edward Said entworfenen Kritik des Orientalismus als eines dominanten westlichen Diskurses, der den Orient als inferioren Gegenentwurf zum Abendland konstruiert und ihn mit ähnlichen Attributen belegt, die für eine patriarchalische Sichtweise auf Frauen gelten. An Said kritisiert sie allerdings dass er mit seiner Kritik der Aneignung des Orients durch den Westen im patriarchalischen Diskurs verhaftet bleibe indem er ihn als eine Ermächtigung des männlich konnotierten Westens beschreibt und den westlichen Frauen dabei keine bzw. eine passive Rolle zukommen lasse.
Dagegen stellt sie ihren Ansatz, dass der europäische Zugang zum Orient kein einheitlicher gewesen sei und sich parallel zum dominanten orientalistischen Diskurs eine alternative Sichtweise auf den Orient entwickelt habe die aus den Schriften von weiblichen Reisenden herauszulesen sei.
Diese Sichtweise zeichne sich dadurch aus, dass sich aus der Konfrontation europäischer Frauen mit orientalischen kulturellen Praktiken wie z.B. Polygamie und Segregation ein Vergleich mit den kulturellen Praktiken des patriarchalischen Abendlands entwickele, der eher zu Selbstkritik und weiblicher Solidarität führe als zu einer Wahrnehmung selbstgefälliger Überlegenheit.
Somit beschreibt sie das Reisen europäischer Frauen als möglichen emanzipatorischen Akt.

Women’s Travels

Weil Frauen im viktorianischen England von den wissenschaftlichen Institutionen zur Erforschung des Orients (bspw. Royal Geographic Society) ausgeschlossen waren realisierte sich weibliches Interesse am Orient in der kulturellen Praxis des Reisens. Bis zum 18.Jahrhundert war (säkulares) Reisen außerhalb Europas eine ausschließlich männliche Erfahrung. Mit der Entwicklung eines Massentourismus wurde Reisen auch Frauen aus einer bürgerlichen Schicht möglich und Reisen in den Orient wurden Teil einer gutbürgerlichen Bildung, die sich zunehmend auch Frauen aneigneten.

Harem Literature

Ungefähr nach dem Ägypten-Feldzug Napoleons entstand ein massives europäisches Interesse am Orient, es entwickelte sich der schon genannte Tourismus und eine Vielzahl von Publikationen über den Orient wurden verlegt.
Eine spezifische Form der Reiseliteratur ist harem literature. Haremliteratur beschäftigt sich mit den privaten Lebensbedingungen muslimischer Frauen und wurde hauptsächlich von Reisenden geschrieben, auch wenn die Beschreibung der Reise nicht im Vordergrund stand. Melman bezeichnet Haremliteratur als „most serious challenge to Orientalist and patriarchal authority“ weil sie in der weiblichen Repräsentation des kulturell Anderen eine Sympathie oder solidarische Verbundenheit mit den Repräsentierten erkennen lasse. Von Frauen verfasste Haremliteratur zeige eine bemerkenswerte Widerständigkeit gegen die essentialistischen Zuschreibungen einer angeblich besonders libidinösen Orientalin.

Weibliche Reiseberichte und Haremliteratur entwickelten sich parallel zum Höhepunkt der diskursiven Konstruktion von bürgerlicher Öffentlichkeit und Privatsphäre und der Trennung von männlich und weiblich konnotierten Sphären des Lebens und Handelns im Westen. Zugleich war Haremliteratur damit ein subversives Potenzial eingeschrieben, indem es im Vergleich orientalischer und westlicher Lebensweisen die Kritik auf die westlichen Vorstellungen von Häuslichkeit und Weiblichkeit, mithin auf das westliche Patriarchat zurückfallen ließ.

Frauen die über den Topos Harem berichteten, hatten einen anderen Zugang als Männer, da sie durch den Zugang zu einer für Männer verschlossene Sphäre als teilnehmende Beobachterinnen fungieren konnten. Nichtsdestotrotz waren sie nicht befreit von Vorurteilen, die sie bspw. durch die europäische „exotische“, Haremliteratur hatten und mussten außerdem ihre Sprache in der Beschreibung sexueller Topoi dem englischen „Geschmack“ anpassen und entsprechend euphemisieren oder verschleiern. Aus der Wahrnehmung der Differenz zwischen den Bildern die bislang vom Harem oder dem „privaten Leben“ der Muslime existierten und der Realität die für weibliche Reisende erfahrbar wurde entwickelte sich ein neuer „wissenschaftlicher“ Anspruch an die Beschreibung des Orients. Muslimische Häuslichkeit wurde so von einer erotischen oder exotischen Projektionsfläche zum Gegenstand nüchterner Betrachtung (vgl. Montagu, S.83-84).

Analogy of Women’s Liberties

An Lady Mary Wortley Montagu wurde kritisiert, dass sie sich ausschließlich der Betrachtung der Gebräuche der Oberschicht zu wandte. Andere Reisende betrachteten auch ökonomisch weniger privilegierte Schichten im arabischen Hinterland und stellten außerordentliche Freiheiten für Frauen fest, die sie ins Verhältnis zu den Freiheiten englischer Frauen sowohl der Ober- als auch der Unterschicht setzten. Seit den 1850ern lässt sich eine Tendenz des Interesses hin zu den Unterschichten der orientalischen Bevölkerung feststellen, die sich zeitgleich zum englischen Diskurs über die heimische Arbeiterklasse entwickelte. Dabei bemerkten die Reisenden eine inverse relationship von Klasse und sozialer Stellung der orientalischen Frau: je weniger eine Familie ökonomisch privilegiert war, desto höher war die soziale Stellung der Frau in der Familie und desto mehr Freiheiten genoss sie. Eine Lucie Duff-Gordon (S. 105) beschrieb 1869, dass Ehemänner aus der Unterklasse der fallahin ihren Frauen mehr Rechte einräumten als britische Ehemänner jeglicher Klasse. Andere Reisende zeigen sich von einem feministischen Standpunkt her positiv erstaunt über die Leichtigkeit mit der eine muslimische Ehe geschieden werden könne und die ökonomischen Absicherungen für Frauen die damit einher gingen im Vergleich zu den schweren ökonomischen und sozialen Folgen die eine Scheidung im viktorianischen England für die Frau haben konnte.

Randnotiz bzgl. London

Die Hamas verurteilt die Anschläge in London:

The Palestinian Islamist group Hamas, responsible for many suicide attacks on Israelis, condemned the London bombings. „Targeting civilians in their transport means and lives is denounced and rejected,“ Moussa Abu Marzouk, deputy chief of the group’s political bureau told Reuters in Damascus by telephone.

Vermutlich ist der Hamas das Konzept des israelischen Zivilisten unbekannt. Alles Zionisten ergo Kombattanten. *kotz*

Hausdurchsuchungen

Nach den eskalierenden gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Antifas v.a. in Potsdam (siehe Inforiot) gab es jetzt eine Welle von Razzien gegen die vermeintlich an einer Schlägerei am Ostbahnhof* beteiligten Antifas. Sieht so aus als kämen nun eine Menge Kosten auf die Betroffenen zu.

Mehr Infos: Polizeipresse und Indymedia.

* Bericht aus der Sicht der vermöbelten Nazis:
hxxp://berliner-infoportal.org/modules.php?name=News&file=article&sid=42

Anna und Arthur organisieren Soliparties und halten ansonsten wie immer ihr Maul.

Deformation professionelle

Beim Lesen kurz aufgeblickt und mit knurrendem Magen gedacht „Ich schmier mir mal eben ein Islambrötchen“. Mhm, Isalami. Hoffentlich sind bald Semesterferien.

Wenn das der Speer noch erlebt hätte

Irgendwo in Kalifornien. Finde das Hakenkreuz.

via Titanic

Socialist:

A person who has yearnings for someone else´s earnings.

Danke, Reclam.