Einfach so verschiedene Dinge II

Die Kundgebung zum Filmstart von Paradise Now in Berlin war erstaunlich gut besucht. Von der anschließenden Podiumsdiskussion berichtet classless ausführlich.

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Nach „The Football Factory“ gibt es einen neuen Hooligan-Film: Green Street Hooligans. Die Story: ein schmächtiger Ivy-League-Student (Elijah „Frodo“ Wood) wird rausgeschmissen, lernt in seinem neuen sozialen Umfeld einen Hool und die Bedeutung von Männlichkeit, Ehre, Loyalität und ähnlichem Quatsch kennen. Bestimmt ganz großes Kino. Einen Trailer gibt´s auch.

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Es schenke mir bitte jemand immediately zwei Bahnfahrkarten, sonst verpasse ich den riot in Leipzig. Das wird voraussichtlich die letzte Gelegenheit zu Randalieren in diesem Jahr. Ey, ist das scheiße pleite zu sein.

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Gleiches Thema: das I can´t relax in Deutschland – Konzert mit Spillsbury und Kante in der Volksbühne soll 16 Euro kosten und ich schaff´s partout auf keine Gästeliste. Mal sehn.

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Seit ich Netbarrier habe, krieg ich durch einen nervigen Trötton mit wie oft eigentlich Leute meine Ports scannen. Wieso interessieren die sich so für meinen Rechner? Kurz über einen potentiellen Zusammenhang von Angst vor dem Eindringen von Hackern auf einen Rechner und allgemeiner männlicher Penetrationsangst nachgedacht. Interessante Hypothese.

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Wer sich für originäre antiimperialistische Propaganda ba´athistischer Prägung (Saddams Verein) interessiert, dem sei Ausgabe Nr. 56 von „Al-Ba´ath Al-Arabiya“ (h**p://comitesirak.free.fr/abai/) empfohlen. Meine rudimentären Französischkenntnisse haben gereicht um die Kernaussagen zu erfassen: amerikanisch-zionistische Propaganda böse, Weißrusslands Diktator Lukashenko gut, weil er vor den Vereinen Nationen Saddam und Milosevic verteidigt hat, womit sich der Kreis zu Jürgen Elsässer schließen dürfte.

Kein Oscar für Paradise Now!

Nicht vergessen: morgen finden in Berlin, Frankfurt/Main und Marburg Kundgebungen gegen Paradise Now statt. Hoffentlich für einige ein Anlass, den Hintern aus dem Haus zu heben und mitzumachen.

In der „Welt“ erschien eine wirklich gute Rezension des Films von Alan Posener:

Die meisten deutschen Kritiker lobten die „differenzierte“ Darstellung. Nun ist „Paradise Now“ gewiß „differenziert“ im Vergleich zu den haßtriefenden antisemitischen Propagandafilmen, die in allen arabischen Ländern allabendlich im Fernsehen laufen. Gewiß ist er „differenziert“ im Vergleich zu den Videos, die Hamas, Hisbollah und Co. herstellen: Snuff Movies, in denen Kollaborateure ihre Untaten gestehen, bevor sie hingerichtet werden, und aufbauende Abschiedsreden von Märtyrern für die Sache Allahs und der Ölscheichs.

Über solche Amateurproduktionen macht sich der Film sogar ausdrücklich lustig: Khaled muß seine Rede noch einmal halten, weil die Videokamera nicht funktioniert. Hinzu kommt, daß Khaleds Rede voller ideologischer Phrasen ist und vom Blatt abgelesen wird. Nein, so geht das nicht.

„Paradise Now“ zeigt, wie das geht: Als Said seinen Kommandeur um eine zweite Chance bittet, findet er die Worte, die Europäer in den Verlautbarungen der Terroristen so schmerzlich vermissen; Worte, die zu Herzen gehen – so wie Saids Geste zu Herzen geht, in einen Bus nicht einzusteigen, in dem ein süßes israelisches Kind mitfährt. So sind sie, die Mörder: eigentlich gute Menschen.

So zeigt der Film denn auch nicht Saids Tat: Frauen ohne Unterleib, Männer ohne Kopf, Kinder ohne Arme und Beine, Blut und Eingeweide in den Sitzreihen, verbrannte Fleischbrocken überall. Nichts davon: Nach einer Fahrt auf Saids Augen zu wird die Leinwand ganz licht und weiß und rein.

Auch Clemens Wergin vom berliner Tagesspiegel hat an Paradise Now in seinem Blog was auszusetzen:

Allerdings habe ich ein großes Problem damit, dass der Film auf der Berlinale den Menschenrechtspreis von Amnesty International bekommen hat. Was genau gewinnt man für die Menschenrechte, wenn man mit filmischen Mitteln dazu gebracht wird, Sympathien für Leute zu empfinden, die andere in die Luft sprengen? Der „Film sei ein Plädoyer dafür, dass jeder einzelne einen Unterschied machen kann“ lautete die Begründung der Jury. Ja, wenn man als Attentäter Juden in die Luft sprengt, macht man sicher einen großen Unterschied. Was das mit Menschenrechten zu tun hat, muss sich die Jury allerdings fragen lassen. Wenn sie nicht gar der Meinung ist, dass jede Gewalt gegen Israelis in diesem Konflikt gerechtfertigt ist. Gemeint hat die Jury damit sicher den Attentäter, der Gewissenbisse hatte und sich nicht in die Luft sprengte. Passen tut es aber viel besser auf die Motivation derjenigen, die es tun. Die einen Unterschied machen wollen, in dem sie unschuldige Zivilisten in die Luft sprengen.

Paradise Now ist mittlerweile als palästinensischer Beitrag für den Oscar nominiert worden. Hoffentlich mit ähnlich viel Erfolg wie „Der Untergang“.

Realistische Einschätzung

… im Forum des neonazistischen „Freien Widerstandes“:

Der Kampf um die Straße ist noch nicht ansatzweise gewonnen; er ist noch nicht einmal ein Patt zwischen uns und den Gegnern

Christian Worch, Wanderzirkusdirektor. Man sieht sich in Leipzig.

Schönes Ding / Schöne Scheiße

Ist das jetzt sowas wie ne Premiere oder was? Auf der Aktionsseite www.fight-antisemitism.tk der Post-Antifa-Gruppe MAD Köln wird besserezeiten zu Paradise Now zitiert. Haben die nix besseres gefunden? Egal, ick freu mir.

Andererseits: who cares? Schließlich ist trotz aller Agitation dagegen das Suicide Bomber-Drama auf dem besten Wege den Europäischen Filmpreis einzuheimsen und – geht´s noch schlimmer? – von der Bundeszentrale für politische Bildung diversen Schulen und Bildungsträgern als Lehrmaterial anempfohlen zu werden.

Bleibt nur auf eine rege Beteiligung an den Protesten zum Filmstart zu hoffen und ein bißchen Werbung zu machen:

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Antifa-SuperIllu

Michael Kronawitter ist peinlich. Angesichts seiner Moderationsbemühungen bei der Antifa-Gala stellte sich erst Fremdscham, dann Verachtung, dann Gleichgültigkeit, dann wieder Fremdscham ein. Er kann´s einfach nicht lassen und offenbar traut sich niemand bei der ALB ihm zu sagen, dass er als Moderator so deplaziert wirkt wie Heinz Schenk auf der Fusion. Vielleicht hat die Traditionsantifa aber auch einfach nur die Gallionsfiguren, die sie verdient. Soviel dazu.

Als die eingesammelte Nazipropaganda auf dem Hofe der reinigenden Kraft der Flammen übergeben wurde konnte ein interessantes Phänomen beobachtet werden: alles stellt sich im Kreise auf und fängt an Parolen zu rufen. Wenn was verbrannt wird werden Deutsche immer gemütsbewegt. Wenn sie sich dazu noch vermummen, sind es Linksdeutsche.

Später im Suff das alte Spiel gespielt: Palituchträger anpöbeln. Daraus entspann sich eine Diskussion mit einem bei Revolution aktiven US-Amerikaner, der sich die Unterstützung des Kampfes der palästinensischen und sonstiger Massen schlicht nicht ausreden lassen wollte. Ich hatte wirklich viel Geduld mit ihm. Seinem zahnbespangten Che Guevara-Kumpel mit dem Jihadlappen hätte ich bei der haarsträubenden Argumentation schon längst ins Gesicht gespuckt.

Heute Kopfschmerzen.

Das ist Demokratie

… langweilig wird sie nie. Wusste Andreas Dorau schon 1988 und spendiert seinen Demokratie-Song pünktlich zur Bundestagswahl 2005 als kostenlosen MP3-Download.

Keuschheit mit Photoshop

Was tun, wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, aber an einem Meeting teilnimmt, von dem einer muslimischen Leserschaft berichtet werden soll? Photoshop schafft Abhilfe.

Fälschung:

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Zoom:

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Und das Original:

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Kraft durch Freude

Man könnte es wohlwollend als ursprüngliche Akkumulation im Zuge eines Nationsbildungsprozesses verklären, was die Palästinenser nach dem Abzug der israelischen Armee im nunmehr judenfreien Gaza-Streifen anstellten: es wurde reichlich geplündert. Soweit okay, nichts gegen Aneignung durch offensichtlich Verarmte, dass der Mob allerdings neben dem eiligen Nachhausetragen werthaltiger Gegenstände noch ausreichend Zeit fand, zurückgelassene Synagogen abzufackeln und auf Musikkapellen zu schießen, deren Repertoire nicht ausreichend nationalistisch sei, lässt völkisch-antisemitischen Wahn als Erklärungsmodell für die Geschehnisse plausibler erscheinen.

Die münchener Constantin-Film, im Abfeiern von „Untergangs“-Szenarien durchaus erprobt, schenkt den palästinensischen Brüdern im Geiste ein besonderes Schmankerl zur Feier der antisemitischen Flurbereinigung (bei Constantin heißt das „Ende der israelischen Besatzung“): die Premiere des Judenmörderdramas Paradise Now in Ramallah. Zur geistigen Erbauung nach getaner Arbeit.

Keine Stimme für Ströbele!

Die Redaktion Bahamas gibt sich die Ehre und startet einen Abwahlaufruf:

Weil Bilder dann wirklich nicht lügen, wenn einer, der sich als deutscher Revolutionär immer treu geblieben ist, sie einem Geistesverwandten in Auftrag gibt, damit er deutsche Ideologie sinnfällig mache, belegt Seyfrieds „Erststimme Ströbele“ betitelter Bilderbogen bis ins kleinste Detail. Etwa dann, wenn eine – natürlich hässlich dargestellte – Angela Merkel auf einem durchaus konsequent der taz zugeschrieben Plakat abgebildet ist, das mit „Wählt mich nach Washington“ betitelt ist und von einem sehr widerständig die Zähne bleckenden Hund bepißt wird. Oder wenn der Abgeordnete Ströbele, der dem verstorbenen Vorsitzenden Kim Il Sung nicht unähnlich visionär in die Ferne blickend einen veritablen Volksaufmarsch aller Prenzl-Kreuzberg-Friedrichshainer anführt, und sich so nebenbei anschickt, mit seinem mit „Biomilch von echten Kühen“ beladenen Fahrrad eine Heuschrecke zu überfahren. Oder wenn der sich hinter Ströbele scharende anachronistische Zug aller fortschrittlichen und friedensbewegten Bewohner der drei Kieze in aller multikulturellen Unschuld eine Frau mit sich führt, die ihre Identität dadurch kundtut, daß sie den Betrachter aus ihrer schwarzen Ganzkörperumhüllung mindestens so widerständig anschaut wie sonst nur der das Merkel-Plakat bepissende Hund undihre Nachbarin, die „Gebt das Hanf frei!“ fordert.

seyfried

Antisemiten haben ein gutes Gedächtnis und von Ströbele wissen sie, was er bei seiner Nahostreise 1991 kurz nach dem ersten Irakkrieg ins Mikrofon geflüstert und nie ernsthaft widerrufen hatte: Die irakischen Raketenangriffe auf Israel seien „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und den arabischen Staaten“.
Weil ihn die öffentliche Empörung wegen dieser Aussagen zum Rücktritt als Vorstandssprecher der Bundesgrünen zwang, gilt Ströbele deswegen im Kreuzberger kollektiven Gedächtnis seitherals einer aus dem Widerstand; als einer von ihnen, dem man gerne abnimmt, was er damals anläßlich seines erzwungenen Rücktritts verlauten ließ: „Es ist mir nicht mehr möglich, die Interessen der Grünen in Israel und der Bundesrepublik glaubhaft zu vertreten.“

Sehr geehrte Wählerinnen und Wähler,

so wie es für viele Bewohner des Hamburger Umlands peinlich ist, auf dem Nummernschild ein PI für Pinneberg spazierenzufahren, weil sie sich stets genötigt sehen, den Verdacht zu zerstreuen, mit den hartnäckig verblödeten Autochthonen dieses Landkreises verwandt oder befreundet zu sein, könnte es Ihnen, die Sie in Ströbeles Stimmbezirk ansässig sind, nach dem 18. September auch gehen, wenn Sie einer nach Ihrer Adresse fragt. Ähnlich wie die neu zugezogenen Pinneberger ihre eingeborenen Mitbürger nicht in kluge Leute verwandeln können,können auch Sie als in Ströbeles Wahlkreis ansässige Bürger den milieutypischen Hang zur Barbarei der Autochthonen unter Ihren Nachbarn nicht brechen. Als Bürger, die sich wünschen, daß man irgendwann einmal über Ihren Stimmbezirk nichts Nachteiligeres auszusagen weiß als über Zehlendorf oder Charlottenburg, haben Sie immerhin die Möglichkeit, Ströbele zu verhindern.

Gehen Sie am Sonntag in Ihr Wahllokal und wählen Ströbele ab. Das ist nur möglich, wenn Sie Ihre Erststimme entweder dem Kandidaten der CDU oder der SPD geben, denn beide haben erstens hinreichende Chancen, das Direktmandat zu erringen, und zweitens anders als die ebenfalls aussichtsreiche Kandidatin der Linkspartei/PDS, die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Reinauer, keinen entscheidenden Anteil an der Konservierung von Verhältnissen, die einen Ströbele erst ermöglichen. Ein Vorteil am Rande: Ihre Erststimme ist auch dann gültig, wenn Sie – wie wir doch stark hoffen wollen – Ihre Zweitstimme nicht vergeben, schließlich wollen Sie „sich“ doch nicht Linkspartei, SPD, Grüne, FDP oder die CDU „reinwählen“, sondern nur den Ströbele loswerden.

Tadaaaa !

Ich hab es.