Intro. Dummheit und so

Sebastian Ingenhoff stellt im neuen Intro drei Fragen an T.Raumschmiere, der auch mit einem Track auf dem I can´t relax in Deutschland-Sampler vertreten ist, wovon der Herr Ingenhoff offensichtlich keine Ahnung hat, denn er fragt

Deine Songtitel sind griffig und frei Schnauze – eine Mischung aus Dosenbierromantik und Michael Moore´isierter Bellerei. Lässt sich Kritik an der amerikanischen Aussenpolitik aber nicht anders formulieren als durch effekthascherische Neologismen wie „Patridiot“?

Worauf der Herr T.Raumschmiere gewandt zu entgegnen weiss

Du benutzt amerikanische Vergleiche. Wieso? Denkst du, ein Titel wie „Patridiot“ ist automatisch Mr. Bush gewidmet? Hat da wohl einer zu viel Michael Moore gelesen? Der Songtitel ist gewissen Politikern gewidmet, die für einen neuen deutschen Patriotismus eintreten und versuchen, diesen mit z.B. der Deutschquote im Radio und ähnlichem Blödsinn zu verbreiten.

Ein paar Seiten später heisst es dann in einer Besprechung des antideutschen Samplers nach gewohnt inhaltslosem Popjournalismusgeschwurbel gönnerhaft

Gute Sache. Aber nicht vergessen: Den Unterschied macht die Propaganda der Tat, nicht die der Promotion.

Was, von einem Magazin angeraten, das bei aller Polit-Attitüde über billigen Antiamerikanismus und ein bisschen Genderdiskurs nicht hinauskommt und partout nicht zwischen Werbung und redaktionellem Beitrag unterscheiden will, schlicht eine Frechheit ist. Zumal: so „gut“ kann das Intro die „Sache“ dann auch wieder nicht finden, wenn nicht mal die Website oder der Vertrieb angegeben werden.

6 Kommentare

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  1. Genau! Gib es ihnen kräftig, den Trüffelschweinen aus Köln…

    Comment von Partisan* — 5. September 2005 @ 17:42

  2. alter, die haben echt nicht mehr alle tassen im schrank…

    Comment von chris — 5. September 2005 @ 19:12

  3. woher kommt eigentlich diese neigung, zu meinen, eine richtige bemerkung daran abschmettern zu können, wer sie sagt („Frechheit“ ist auch ein ganz komischer begriff…)? davon ab: die Intro ist kostenlos, muss also ein höheres werbebudget haben als andere zeitschriften…

    ach ja: und ne kritsche auseinandersetzung mit gewissen tendenzen findet da mitunter sehr wohl statt – zB bei Hannes Loh im bereich deutschrap. und die sachen zu MIA waren auch sehr ok

    Comment von c_z — 6. September 2005 @ 12:09

  4. ich finde es einfach so bezeichend, das ingenhoff beim begriff „patridiot“ tatsächlich nicht zu allererst an die ihn umgebenden verhältnisse, an deutschland, denken muss, was doch jedem vernünftigen menschen, der in deustchland lebt (leben muss) als allererstes einfallen müsste (oder lebe ich in einem parallel-deutschland?), sondern es automatisch „bush“ in ihm denkt. das muss man sich einfach mal ganz langsam auf der zunge zergehen lassen. im grunde hat t. raumschmiere noch viel zu dezent auf diesen umstand hingewiesen.

    Comment von beniguma — 7. September 2005 @ 18:02

  5. Even more evil der Jubelartikel auf T. Raumschmiere in der SZ vom 10./11. 09, indem ein Tobias Kniebe ihn zuerst halb zum Nazi zu halluziniert, was dann aber – logo – wir sind jung und wir sind frei – gerade geil sein soll – weil – quelle surprise – Provokation immer gut ist. „Aktuelles Deutschtum“ ist ja auch voll pop.

    „T. Raumschmiere singt englisch, wenn überhaupt, aber er nennt seine Tracks gern „Rumpelkammer“, „Variokoppler“, „Der Grottenolm“ oder „Erlösung durch Strom“. Da mischt sich urdeutsches Raunen, nordischer Mythos und Weltmarktführerschaft im Maschinenbau in die Musik – das Goetheinstitut bucht ihn gern für Auslandauftritte, kein Wunder. Wenn das leicht bedenklich klingt, haarscharf am Wörterbuch des Unmenschen vorbeigetextet, irgendwo zwischen „Arbeit macht frei“ und „Sozial ist, was Arbeit schafft“, dann ist das provokant und also gut, aber mit rechtem Gedankengut hat das nichts zu tun. Es geht eher um Fundstücke aktuellen Deutschtums, die irrsinnig, gleichzeitig aber von chromglänzender Schönheit sind.“

    „SZ-Popnazis gotta die“ würde Alec Empire wohl dazu sagen.

    Comment von Walter — 16. September 2005 @ 13:13

  6. ouch. klassischer fall von projektion beim sz-autor. irrsinig und chromglänzend, wenn da mal nicht die futuristen hinter jeder ecke vorlugen …

    Comment von besserezeiten — 16. September 2005 @ 14:05

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