Keine Stimme für Ströbele!

Die Redaktion Bahamas gibt sich die Ehre und startet einen Abwahlaufruf:

Weil Bilder dann wirklich nicht lügen, wenn einer, der sich als deutscher Revolutionär immer treu geblieben ist, sie einem Geistesverwandten in Auftrag gibt, damit er deutsche Ideologie sinnfällig mache, belegt Seyfrieds „Erststimme Ströbele“ betitelter Bilderbogen bis ins kleinste Detail. Etwa dann, wenn eine – natürlich hässlich dargestellte – Angela Merkel auf einem durchaus konsequent der taz zugeschrieben Plakat abgebildet ist, das mit „Wählt mich nach Washington“ betitelt ist und von einem sehr widerständig die Zähne bleckenden Hund bepißt wird. Oder wenn der Abgeordnete Ströbele, der dem verstorbenen Vorsitzenden Kim Il Sung nicht unähnlich visionär in die Ferne blickend einen veritablen Volksaufmarsch aller Prenzl-Kreuzberg-Friedrichshainer anführt, und sich so nebenbei anschickt, mit seinem mit „Biomilch von echten Kühen“ beladenen Fahrrad eine Heuschrecke zu überfahren. Oder wenn der sich hinter Ströbele scharende anachronistische Zug aller fortschrittlichen und friedensbewegten Bewohner der drei Kieze in aller multikulturellen Unschuld eine Frau mit sich führt, die ihre Identität dadurch kundtut, daß sie den Betrachter aus ihrer schwarzen Ganzkörperumhüllung mindestens so widerständig anschaut wie sonst nur der das Merkel-Plakat bepissende Hund undihre Nachbarin, die „Gebt das Hanf frei!“ fordert.

seyfried

Antisemiten haben ein gutes Gedächtnis und von Ströbele wissen sie, was er bei seiner Nahostreise 1991 kurz nach dem ersten Irakkrieg ins Mikrofon geflüstert und nie ernsthaft widerrufen hatte: Die irakischen Raketenangriffe auf Israel seien „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern und den arabischen Staaten“.
Weil ihn die öffentliche Empörung wegen dieser Aussagen zum Rücktritt als Vorstandssprecher der Bundesgrünen zwang, gilt Ströbele deswegen im Kreuzberger kollektiven Gedächtnis seitherals einer aus dem Widerstand; als einer von ihnen, dem man gerne abnimmt, was er damals anläßlich seines erzwungenen Rücktritts verlauten ließ: „Es ist mir nicht mehr möglich, die Interessen der Grünen in Israel und der Bundesrepublik glaubhaft zu vertreten.“

Sehr geehrte Wählerinnen und Wähler,

so wie es für viele Bewohner des Hamburger Umlands peinlich ist, auf dem Nummernschild ein PI für Pinneberg spazierenzufahren, weil sie sich stets genötigt sehen, den Verdacht zu zerstreuen, mit den hartnäckig verblödeten Autochthonen dieses Landkreises verwandt oder befreundet zu sein, könnte es Ihnen, die Sie in Ströbeles Stimmbezirk ansässig sind, nach dem 18. September auch gehen, wenn Sie einer nach Ihrer Adresse fragt. Ähnlich wie die neu zugezogenen Pinneberger ihre eingeborenen Mitbürger nicht in kluge Leute verwandeln können,können auch Sie als in Ströbeles Wahlkreis ansässige Bürger den milieutypischen Hang zur Barbarei der Autochthonen unter Ihren Nachbarn nicht brechen. Als Bürger, die sich wünschen, daß man irgendwann einmal über Ihren Stimmbezirk nichts Nachteiligeres auszusagen weiß als über Zehlendorf oder Charlottenburg, haben Sie immerhin die Möglichkeit, Ströbele zu verhindern.

Gehen Sie am Sonntag in Ihr Wahllokal und wählen Ströbele ab. Das ist nur möglich, wenn Sie Ihre Erststimme entweder dem Kandidaten der CDU oder der SPD geben, denn beide haben erstens hinreichende Chancen, das Direktmandat zu erringen, und zweitens anders als die ebenfalls aussichtsreiche Kandidatin der Linkspartei/PDS, die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Reinauer, keinen entscheidenden Anteil an der Konservierung von Verhältnissen, die einen Ströbele erst ermöglichen. Ein Vorteil am Rande: Ihre Erststimme ist auch dann gültig, wenn Sie – wie wir doch stark hoffen wollen – Ihre Zweitstimme nicht vergeben, schließlich wollen Sie „sich“ doch nicht Linkspartei, SPD, Grüne, FDP oder die CDU „reinwählen“, sondern nur den Ströbele loswerden.

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