Kein Oscar für Paradise Now!

Nicht vergessen: morgen finden in Berlin, Frankfurt/Main und Marburg Kundgebungen gegen Paradise Now statt. Hoffentlich für einige ein Anlass, den Hintern aus dem Haus zu heben und mitzumachen.

In der „Welt“ erschien eine wirklich gute Rezension des Films von Alan Posener:

Die meisten deutschen Kritiker lobten die „differenzierte“ Darstellung. Nun ist „Paradise Now“ gewiß „differenziert“ im Vergleich zu den haßtriefenden antisemitischen Propagandafilmen, die in allen arabischen Ländern allabendlich im Fernsehen laufen. Gewiß ist er „differenziert“ im Vergleich zu den Videos, die Hamas, Hisbollah und Co. herstellen: Snuff Movies, in denen Kollaborateure ihre Untaten gestehen, bevor sie hingerichtet werden, und aufbauende Abschiedsreden von Märtyrern für die Sache Allahs und der Ölscheichs.

Über solche Amateurproduktionen macht sich der Film sogar ausdrücklich lustig: Khaled muß seine Rede noch einmal halten, weil die Videokamera nicht funktioniert. Hinzu kommt, daß Khaleds Rede voller ideologischer Phrasen ist und vom Blatt abgelesen wird. Nein, so geht das nicht.

„Paradise Now“ zeigt, wie das geht: Als Said seinen Kommandeur um eine zweite Chance bittet, findet er die Worte, die Europäer in den Verlautbarungen der Terroristen so schmerzlich vermissen; Worte, die zu Herzen gehen – so wie Saids Geste zu Herzen geht, in einen Bus nicht einzusteigen, in dem ein süßes israelisches Kind mitfährt. So sind sie, die Mörder: eigentlich gute Menschen.

So zeigt der Film denn auch nicht Saids Tat: Frauen ohne Unterleib, Männer ohne Kopf, Kinder ohne Arme und Beine, Blut und Eingeweide in den Sitzreihen, verbrannte Fleischbrocken überall. Nichts davon: Nach einer Fahrt auf Saids Augen zu wird die Leinwand ganz licht und weiß und rein.

Auch Clemens Wergin vom berliner Tagesspiegel hat an Paradise Now in seinem Blog was auszusetzen:

Allerdings habe ich ein großes Problem damit, dass der Film auf der Berlinale den Menschenrechtspreis von Amnesty International bekommen hat. Was genau gewinnt man für die Menschenrechte, wenn man mit filmischen Mitteln dazu gebracht wird, Sympathien für Leute zu empfinden, die andere in die Luft sprengen? Der „Film sei ein Plädoyer dafür, dass jeder einzelne einen Unterschied machen kann“ lautete die Begründung der Jury. Ja, wenn man als Attentäter Juden in die Luft sprengt, macht man sicher einen großen Unterschied. Was das mit Menschenrechten zu tun hat, muss sich die Jury allerdings fragen lassen. Wenn sie nicht gar der Meinung ist, dass jede Gewalt gegen Israelis in diesem Konflikt gerechtfertigt ist. Gemeint hat die Jury damit sicher den Attentäter, der Gewissenbisse hatte und sich nicht in die Luft sprengte. Passen tut es aber viel besser auf die Motivation derjenigen, die es tun. Die einen Unterschied machen wollen, in dem sie unschuldige Zivilisten in die Luft sprengen.

Paradise Now ist mittlerweile als palästinensischer Beitrag für den Oscar nominiert worden. Hoffentlich mit ähnlich viel Erfolg wie „Der Untergang“.

1 Kommentar

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  1. Es lohnt sich, diese (aus meiner Sicht richtige!) Darstellung des Films mit der in der Zeitung TAZ (http://www.taz.de/pt/2005/11/17/a0165.nf/text) zu vergleichen. Vielleicht recherchiert einer nach Hintergründen der Publikation?

    Comment von peet_g — 17. November 2005 @ 13:23

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