Al-Quds-Aufmärschchen

Na, das war aber keine gute Show. Gerade mal 300 Islamisten zogen gegen Israel und für das iranische Mullah-Regime durch Berlin, weniger als die Hälfte des letztjährigen Aufmarsches und viel weniger als beim Al-Quds-Tag 2003. Entweder war die Angst als muslimischer Extremist erfasst zu werden größer als die Opferbereitschaft für die Sache, bei dem empörten Pressewirbel den es dieses Jahr gab, oder Yavuz Özoguz´ penetrantes Lamentieren zieht einfach nicht mehr. War der Mullah von Delmenhorst überhaupt wieder als Vorbeter am Start? Die Demo war so kurz und schnell wieder vorbei, ich konnte es hinter den Absperrungen gar nicht erkennen.

Überhaupt, hinter den Absperrungen: die Teilnehmerzahl der Gegenkundgebung verhielt sich reziprok und erreichte eine beachtliche Menge, auf manche hätte ich aber doch ganz gerne verzichtet. Auf die iranischen Exilanten, die eine konstitutionelle Monarchie verfechten, auf Bütikofer und Pau, auf die Friedensbewegten, die ausgerechnet dann, wenn ein paar Leute offensiv mit einem Transpi auf den Aufmarsch zu laufen, anfangen „Hevenu shalom alejchem“ zu singen. Ich war sicherlich nicht der einzige Antifa, dem bei der versammelten sogenannten Zivilgesellschaft ein bißchen flau im Magen wurde.

Die rote Fahne (mit Marx-Konterfei) hielt an diesem Tag ein Einzelkämpfer von der Deutschlandorganisation der Arbeiterkommunistischen Partei Irans hoch, der ein Flugblatt verteilte, dessen Inhalt ungefähr ist, dass die antiisraelische Hetze von Ahmadi Nejad eigentlich dem angeblichen Interesse Sharons an einer Eskalation des Konfliktes mit den Palästinensern nütze und die Politik Irans dem Kampf der palästinensischen Bevölkerung für ihre Rechte schade. Man müsse den islamischen Terrorismus in Palästina vollständig isolieren und auf eine sozialistische, säkulare palästinensische Bewegung hinarbeiten. Yo, träumt weiter. Schade eigentlich, denn von den Arbeiterkommunisten war ich bisher bessere Texte gewohnt.

Ein anderer, eher zu Späßen aufgelegter junger Mann verteilte ein Flugblatt, auf dem erklärt wird why Muslim terrorists are so quick to commit suicide: No Wal-Mart, no television, no cheerleaders, no football, no burgers, more than one wife (hello, are you crazy?), constant wailing from the guy in the tower, you can´t shave, your bride is picked by someone else … Hinreichende Gründe Schluss zu machen, oder? Thanks dude, you made my day.

7 Kommentare

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  1. Das mit der WPIran kommt hin – das Flugblatt ist ziemlich weird. Allerdings gibt es in der Partei denke ich mal unterschiedliche Auffassungen, insofern ist fraglich, wie weit das die Parteilinie oder eine mehrheitsfähige Meinung darstellt.

    Und wenn man sich als Antifa nur unter seines gleichen wohlfühlt und, sobald raus aus dem angestammten Umfeld, Angst bekommt – naja – daran kann man arbeiten ;)

    Comment von el fo — 30. Oktober 2005 @ 11:35

  2. Aber wenn die Angst des Extremisten seine Opferbereitschaft übersteigt, ist der Extremist auf einem guten Weg.

    Comment von jensito — 30. Oktober 2005 @ 11:57

  3. Die Teilnahme an der Kundgebung gegen den Islamistenaufmarsch hätte mensch sich sparen sollen… Dagegen wäre es viel wichtiger gewesen am späten Nachmittag die rund 80 Teilnehmer einer Kundgebung vor der iranischen Botschaft zu unterstützen. Dort war nämlich nicht die deutsche Zivilgesellschaft versammelt, sondern Einzelpersonen und Personengruppen die es ernst meinen mit der Solidarität mit Israel… P*

    Comment von Partisan* — 30. Oktober 2005 @ 15:06

  4. Mein Senf zum Tag: „Stuß und Selbstvergewisserung“ http://myblog.de/classless/art/2210318

    Comment von classless — 30. Oktober 2005 @ 18:15

  5. ach ja, die antifas, die versuchten, sich in irgendwie auch märtyrerhafter pose dem islamistenaufmarsch frontal entgegenzustellen, gehörten natürlich der kp berlin an. die nämlich hatten mangels israelfahnen die hände frei um sich ein kurzes handgemenge mit der polizei liefern zu können ;)

    Comment von an.ti — 31. Oktober 2005 @ 20:21

  6. stimmt. ich vergaß. meine hände waren leider durch eine milchkaffeetasse gebunden, so dass ich gezwungen war diese heroische zurschaustellung antifaschistischer entschlossenheit nur passiv zu begleiten.

    Comment von besserezeiten — 31. Oktober 2005 @ 21:00

  7. mmmmmmmmmmm scheinbar ist mein Kommentar nicht abgeschickt worden!

    Also hier, bei der Webseite aus Endland die Ich letztens empfohlen habe, gibts ein Bisschen Respekt an euch in Berlin:

    http://hurryupharry.bloghouse.net/archives/2005/10/30/wish_you_were_here.php

    http://hurryupharry.bloghouse.net/archives/2005/10/29/youre_fired.php

    http://hurryupharry.bloghouse.net/archives/2005/10/30/taking_a_stand.php

    Comment von Doughnut Boy Andy — 31. Oktober 2005 @ 23:31

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