Blogpause

Zu viel Bildschirm, zu wenig zu erzählen.

An alle die mich kennen und meinen Geburtstag vergessen haben:
Ich möchte umgehend auf einen Kaffee eingeladen werden.

BAIZ, Herrentoilette

Texte zur Psychoanalyse

Im Nachgang des Wochenendseminars zur „Einführung in die Psychoanalyse als Gesellschaftskritik“ mit Ljiljana Radonic, das zwar äußerst erkenntnisreich aber auch anstrengend war (germanophobia war zu besoffen und partisan zu bekifft bzw. hat nicht kapiert, worum es ging) , habe ich einige Texte rausgesucht um den Kenntnisstand zu festigen und manches nochmal nachzulesen, das ich nicht verstanden habe, oder das zu kurz kam.

Vor allem die psychoanalytische Erklärung des Geschlechterverhältnisses und die Kritik daran wurde nur im Vorübergehen angerissen, antifa-zielgruppengerecht ging es hauptsächlich um pathische Projektion und autoritären Charakter, also die Analyse der Beschaffenheit antisemitischen Wahns.

Drei Texte habe ich gefunden, die sich sozusagen als Einstieg lohnen. Für eine vernünftige und umfassende psychoanalytische Bestimmung der Weiblichkeit muss man sich schon das Buch „Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus“ von Ljiljana Radonic für – hoppla – 39 Euro bestellen.

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Ljiljana Radonic: Psychoanalyse und Geschlechterverhältnis

aus: Context XXI

Freud selbst hat im Laufe der Jahre den Zeitpunkt, an dem der anatomische Geschlechtsunterschied zu unterschiedlichen psychischen Folgen bei Knaben und Mädchen führt, immer früher datiert. Zunächst nahm er an, dieser trete erst in der Pubertät durch die Entdeckung der Vagina auf. Danach verlegte er ihn in die ödipale Phase, um später die große Bedeutung der präödipalen Phase anzuerkennen. Wie in fast keiner anderen Schrift betonte Freud die Vorläufigkeit und Unbewiesenheit seiner Vermutungen. Mitscherlich hat also recht, wenn sie schreibt: „Die offene Einstellung Freuds neuen Erfahrungen und Denkweisen gegenüber ist mittlerweile bei manchen Analytikern verlorengegangen. Was für Freud nur vorläufige Erkenntnisse waren, verfestigte sich bei seinen Nachfolgern nicht selten zu gesicherten Theorien.“ So finden sich bei Freud auch durchaus ambivalente Stellen, denn er warnt ständig davor, den Einfluss der Gesellschaft auf die Frau nicht zu vergessen: „Vielleicht geht es so zu, daß sich beim Weib von ihrem Anteil an der Sexualfunktion her eine Bevorzugung passiven Verhaltens und passiver Zielstrebungen ein Stück weit ins Leben hineinstreckt, mehr oder weniger weit, je nachdem sich diese Vorbildlichkeit des Sexuallebens begrenzt oder ausbreitet. Dabei müssen wir aber achthaben, den Einfluss der sozialen Ordnungen nicht zu unterschätzen, die das Weib gleichfalls in passive Situationen drängen. Das ist alles noch sehr ungeklärt. … Die dem Weib konstitutionell vorgeschriebene und sozial auferlegte Unterdrückung seiner Aggression begünstigt die Ausbildung starker masochistischer Regungen, denen es ja gelingt, die nach innen gewendeten destruktiven Tendenzen zu binden.“
Freud war sich einerseits durchaus der gesellschaftlichen Bedingtheit des weiblichen Masochismus bewusst und leitete ihn andererseits trotzdem von der zwingenden Minderwertigkeit der Klitoris ab.

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Heribert Schiedel und Ljiljana Radonic: Das richtige im Falschen? – Sexualität und Befreiung bei Adorno und Marcuse

aus: Context XXI

Die Sexualität wurde nicht befreit, sondern integriert und weiter diszipliniert. Wie bei den politischen Integrationsleistungen der spätkapitalistischen Gesellschaft kommt der Kulturindustrie auch hier zentrale Bedeutung zu. Der „an- und abgestellte, gesteuerte und in ungezählten Formen von der materiellen und kulturellen Industrie ausgebeutete Sexus wird, im Einklang mit seiner Manipulation, von der Gesellschaft geschluckt, institutionalisiert, verwaltet. Als gezügelter ist er geduldet.“ (Adorno 1997a, 534) Die angebliche Befreiung der Sexualität ist also vielmehr ihre Entschärfung. Sie ist „als sex, gleichsam eine Variante des Sports, entgiftet“ (ebd., 535) oder neutralisiert worden. Hinter der Annahme eines grundsätzlich subversiven Charakters des ursprünglichen, noch nicht gesellschaftlich deformierten Sexus steht der angenommene Widerspruch, in welchem das Lustprinzip zum repressiven Realitätsprinzip1 als Instrument und Ausdruck der Vergesellschaftung steht. Aber dieser „Gegensatz zwischen Trieb und Vernunft ist selbst ein gesellschaftlicher. (…) Der geschichtliche Charakter des Realitätsprinzips verbietet es, den Widerspruch zwischen Glück und Moralität, Lustprinzip und Realitätsprinzip zu hypostasieren.“ (Marcuse 2002, 149) Dem radikal zersetzenden Sexus unter den Bedingungen ideologischer Vergesellschaftung setzte Marcuse deshalb die soziale Kraft des befreiten Eros, der bei Freud mehr als Sexualität, nämlich die Gesamtheit der Lebenstriebe meint, entgegen.

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Jaschar Randjbar: Die gesellschaftskritischen Implikationen der Psychoanalyse

via: Studienvertretung Politikwissenschaft Uni Wien

Freud entdeckt zwar die weibliche Sexualität, stufte sie aber in vielen Fällen als pervers, da am Männlichkeitskomplex leidend, ein. Die Sexualität der ‚normalen‘ Frau, wie Freud sie beschreibt, ist passiv, masochistisch und gehemmt. Freud ist von den üblichen Vorstellungen seiner Zeit hier also nicht sehr weit entfernt. Seine Erkenntnisse sind für eine Analyse des Geschlechterverhältnisses aber dennoch wertvoll. Lena Lindhoff fasst die Kritik folgendermaßen zusammen: „Indem er den zensierenden Einfluß der sozialen Ordnung auf die kindliche Entwicklung beschreibt, eröffnet Freud die Möglichkeit einer Infragestellung der bestehenden Formen von Subjektivität und Sexualität, die sich im Zuge dieser Entwicklung herausbilden. Freud selbst zieht diese Konsequenz nicht; er macht zwar die Genese des Subjekts sichtbar, aber er stellt diesen Prozess als notwendigen dar. Die patriarchalische Ordnung der Familie und Gesellschaft ist für ihn unhintergehbar. … Freud macht damit zur wissenschaftlich fundierten ‚Wahrheit‘, was in der patriarchalischen Kultur durchaus Wirklichkeit ist oder zumindest sein kann“.
Freud zeigt auf, wie wichtig die frühkindliche Entwicklung für eine Erklärung der ‚typischen‘ Charakteristika der Frau: Passivität, Masochismus, verdrängte Sexualität, Frigidität etc. ist, stellt diese Entwicklung jedoch als aufgrund des anatomischen Geschlechtsunterschieds notwendige dar.

Israeli anti-semitic cartoons contest

Eyal Zusman (30, back from anonymity) and Amitai Sandy (29), graphic artist and publisher of Dimona Comix Publishing, from Tel-Aviv, Israel, have followed the unfolding of the “Muhammad cartoon-gate” events in amazement, until finally they came up with the right answer to all this insanity – and so they announced today the launch of a new anti-Semitic cartoons contest – this time drawn by Jews themselves!

“We’ll show the world we can do the best, sharpest, most offensive Jew hating cartoons ever published!” said Sandy “No Iranian will beat us on our home turf!

via boingboing

GWG & Prodomo offline

Die Websites der antideutsch-kommunistischen Gruppe Georg-Weerth-Gesellschaft Köln und der ihr nahestehenden Zeitschrift Prodomo sind seit heute Nachmittag offline. Zuvor hatte die Georg-Weerth-Gesellschaft Köln die Aufforderung des Staatsschutzes erhalten, eine satirische Darstellung Mohammeds von ihrer Website zu entfernen.

Ob es sich um einen Hack oder eine Intervention des Staatsschutzes handelt, oder die Websites vom Betreiber selbst vom Netz genommen wurden, ist bislang noch unklar. Letzteres erscheint mir aber höchst unwahrscheinlich.

Update: bei typoskript gibt es die ganze Geschichte.

Henryk Mohammed Broder

… spricht zu den Gläubigen vor der dänischen Botschaft in Berlin:

Die ganze Fotolovestory gibt´s hier.

Liebe islamische Fundamentalisten,

… damit wir uns richtig verstehen! Wir verabscheuen Deutschland, das Land, das zwei Weltkriege vom Zaun brach, Liebe islamische Fundamentalisten,das Land, das ziemlich erfolgreich versuchte, das europäische Judentum auszurotten und in der Folge nur wenige TäterInnen zur Rechenschaft zog, das Land, dessen Staatsbürgerschaftsrecht immer noch auf der obskuren Kategorie des Blutes basiert und, und, und.

Kurz und gut, wir sind der Meinung, und das ist ja auch nichts Neues, dass nicht nur Arbeit, sondern eben auch Deutschland scheiße ist!

Wir sind nicht verblendet genug, zu erwarten, Euch mit einem einfachen Brief davon abzuhalten, Frauen zu unterdrücken, Schwule abzuschlachten und Israel samt aller jüdischen Bewohner vernichten zu wollen. Das ist klar, die Dinge stehen bei Euch ganz oben. Da könnt Ihr unmöglich Rücksicht auf uns nehmen.

Deshalb hier nur eine kleine Bitte:

Hört bitte auf, Deutschlandfahnen zu verbrennen! Wir haben wirklich keine Lust auf der nächsten 1. Mai-Demo mit euch Irren in einen Topf geschmissen zu werden! Uns ist schon klar, mit den weltlichen Vergnügen habt Ihr es auch nicht so, aber lasst uns doch wenigstens diese kleine Freude!

Wir denken, das ist wirklich nicht zu viel verlangt!

Mit den aller intolerantesten Grüßen,
Kreuzberger Freundinnen und Freunde des 1.Mai

Ps. Wenn wir Euch in irgendeiner Art und Weise behilflich sein könnten, Horst Mahler die Teilnahme an der iranischen Beklopptenkonferenz zu ermöglichen, lasst es uns wissen. Könntet Ihr uns nämlich versichern (schriftlich, notariell beglaubigt, etc.), dass er ganz, ganz sicher nicht zurückkommt, würden wir alles in unserer Macht stehende unternehmen, euch in dieser Causa unter die Arme zu greifen!

via thinktank34

On the long run we´re all dead

„Uneingeschränkte Befriedigung aller Bedürfnisse drängt sich als die verlockendste Art der Lebensführung vor, aber das heißt den Genuß vor die Vorsicht zu setzen und straft sich nach kurzem Betrieb.“

Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur

Apropos Islamverhöhnung

Titanic 11/79