Junge Welt ohne Franz Schandl

Franz Schandl, Autor der krisis, stellt seine wöchentliche Kolumne für die Junge Welt ein. Durfte er bisher die nationalbolschewistische Linie des Ostblättchens wertkritisch und krisentheoretisch aufpeppen, hat er sich nun mit einem kritischen Artikel zum iranischen Präsidenten die Sympathie der antiimperialistischen Völkerfreunde verscherzt. Chefredakteur Arnold Schölzel zensierte die Kolumne mit der Begründung, diese sei „Main-stream“.
Zwar lässt Schandl es sich nicht nehmen ganz im Stile eines Robert Kurz den Weltfeind resp. „gefährlichsten Mann der Welt“ George W. Bush als Grund allen Übels zu benennen, der bald nuklear aufgerüstete, islamistische Antisemit Ahmadinejad ist ihm allerdings auch nicht geheuer. Ausschlaggebend für die Zensur der Jungen Welt dürfte aber die der antizionistischen Blattlinie diametral entgegengesetzte Feststellung sein, die säkularisierte Gesellschaft Israels sei „in jeder Hinsicht“ dem Mullah-Regime vorzuziehen. Spät kommt die Einsicht, aber sie kommt.

Es seien die relevanten Teile des Artikels kopiert, den ganzen Artikel gibt´s bei adresscomptoir.

Der Islam ist wie jede Religion eine regressive und repressive Ideologie. Und der Islamismus ist kein verunglückter Widerstand, er ist vielmehr eine aktuelle Verfallsform der modernen Zivilisation an einer ihrer zahlreichen inneren Fronten. Aus der Unerträglichkeit der Verhältnisse entwickelt sich lediglich eine durchgeknallte Antipathie. Ahmadi-Nejads Aussagen repräsentieren freilich einen gefährlichen Gemütszustand nicht weniger Menschen in vom Islam geprägten Staaten. Der religiös aufgeladene Minderwertigkeitskomplex findet seine negative Projektion in den Juden und ihrem Staat.

In dem aufgeschaukelten Klima gilt es festzuhalten, dass die traurige und aussichtslose Konfrontation von Israelis und Palästinensern nicht das Hauptproblem dieser Welt ist, sondern ein von diversen Kulturclashern hochgespielter Supertrumpf. Ebenso ist aber anzumerken, dass Israel im Inneren eine im Vergleich säkularisierte Gesellschaft ist, die in jeder Hinsicht dem Mullah-Regime vorzuziehen ist. Das ist auch gültig, wenn man seine Politik gegenüber den Palästinensern als falsch erachtet, ja für unerträglich hält. Sollte sich der palästinensische Befreiungskampf tatsächlich in eine „islamische Revolution für Palästina“ (Ahmadi-Nejad) transformieren, ist ihm nicht nur jede Unterstützung zu entziehen, in diesem Falle wäre er aktiv zu bekämpfen.

Zweifellos, die radikale Linke des Westens hat ihren Hauptfeind vor Ort zu verorten, in den Zentren des Kapitals, dabei darf aber nicht die spezifische Qualität der Contras an der Peripherie außer Acht gelassen werden. Hier ist ausdrücklich vor falscher Toleranz oder gar obskuren Bündnissen zu warnen. Dass jemand ein Feind des Feindes ist, sagt über den Charakter des Feindesfeindes nichts aus. Die iranische Staatsführung ist nicht zu tolerieren, sie ist zu stürzen. Und zwar von den Iranern. Solidarität mit den Opfern US-amerikanischer Übergriffe bedeutet heute auch: Kein Fußbreit dem Islamismus, kein Verniedlichen der antisemitischen Aggression!

Goldgeile Piraten-Kater

Neben wöchentlicher veganer Tierrechtsvokü betreiben die Zottelkrusten aus der Sama32 in Friedrichshain jetzt auch noch Völkerkunde. Aus dem aktuellen Kinoprogramm:

Dieser Italo-Western zeichnet mit erschreckender Genauigkeit den Grundcharakter der Anglo-Amerikater [sic!], bzw. der europäischen „Zivilisation“! Die grundsätzliche Frage ist: „Was suchen diese europäischen Piraten in einem Land, daß ihnen nicht gehört?“, die Antwort ist: „GOLD!!!“. Seit jeher hatte Gold in Europa einen höheren Stellenwert als bei anderen Völkern, demzufolge ist die Goldgeilheit eine typisch europäische Krankheit.

Es geht um „The Good, The Bad and the Ugly“. Eigentlich ein schöner Film. Von ästhetischen Fragen haben diese sternburgversoffenen Asselpunks allerdings keine Ahnung, denen ist einfach alles recht um sich ihr Ressentiment füttern zu lassen. Vegan, versteht sich.

Ein Kessel Braunes

Tatort-Kommissar und scheidender Intendant des hallenseschen Theaters Peter Sodann wird für die WASG/PDS Sachsen zur Bundestagswahl kandidieren. Sodann fiel in der Vergangenheit vor allem als deutscher Friedensfreund und romantischer Antikapitalist mit Hang zu Sauberkeit und Ordnung unangenehm auf.

Russische Abgeordnete fordern ein Verbot jüdischer Organisationen wegen «Unterwanderung Russlands». In einem von 5000 Personen des öffentlichen Lebens unterschriebenen Offenen Brief war gefordert worden, jüdische Organisationen als extremistisch zu verbieten. Als «Beweis» diente eine vor kurzem erschienene russische Übersetzung des «Schulchan Aruch». Die Textsammlung aus dem 16. Jahrhundert fasst rabbinische Auslegungen der Religionsgesetze zusammen.

Volksfront reloaded: 15 thüringer Neonazikameradschaften rufen dazu auf die NPD im kommenden Bundestagswahlkampf zu unterstützen und „in breiter Front den kommenden Wahlkampf aufzunehmen, welche alle Kräfte beinhaltet die sich zu Volk, Nation und einem deutlichen Kurswechsel im Sinne eines sozialistischen Deutschlands bekennen.“ Man habe äußerst positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen parteifreien und parteigebundenen Nationalisten in Thüringen gemacht. Worch, Reitz & Co. wird´s nicht freuen.

Wenn Deutsche an Kaliningrad denken, dann trauern sie „Königsberg“ und „Ostpreußen“ hinterher. Das heißt dann „Wehmütige Erinnerungen“.